Die Alternative von der Alternative 

Ursprünglich wollten wir, Wanderpaddler, die Obere Donau um Sigmaringen paddeln. Aufgrund von zu wenig Wasser und eines zu niedrigen Pegels wurde eine Alternativstrecke ein Stück flussaufwärts an der Donau geplant. Es kam wie es kommen musste. Durch die anhaltende Trockenheit musste die 1. Alternative verworfen werden und Alternative Nr. 2 aus dem Archiv gekramt werden. Welches Gewässer liegt in Baden-Württemberg und hat garantiert Wasser? Na klar, der Bodensee. Da der Bodensee nicht nur aus Reichenau und Konstanz besteht, ging es diesmal in die Umgebung von Friedrichshafen. 

Angekommen am See suchten wir zuerst den nächstbesten Parkplatz in Ufernähe und fanden diesen in Überlingen-Nußdorf. Also Booten abladen, kurz sich mit selbstgebackenem Hefezopf stärken und ab aufs Wasser. Das Motto unserer Tour lautete: gemütlich in eine Richtung paddeln und anschließend denselben Weg zurück – ganz ohne Shuttle.Mit Blick auf die Schweizer Alpen brachen wir Richtung Unteruhldingen auf. Lange Zeit begleitete uns der Blick auf die barocke Basilika Birnau.

In Begleitung von Segelbooten und Zeppelin erreichten wir gemütlich die nachgebauten prähistorischen Pfahlbauten von Unteruhldingen. Um gestärkt die Rückfahrt anzutreten, gönnten wir uns in Unteruhldingen ein großes Eis und rätselten nebenbei, wie die Segel- und Motorboote in die engen Liegeplätze ohne Schäden einparken können, oder beobachteten einfach die Bläshühner und Haubentaucher im Hafenbereich. 

Durch den aufgefrischten Wind machte das Schwäbische Meer bei der Rückfahrt seinem Namen alle Ehre und sorgte für kleinere Wellen, die wir mühelos ohne seekrank zu werden meisterten. Ohne zu kentern erreichten wir wieder unseren Startpunkt in Überlingen-Nußdorf. 

Nach einer kleinen Odyssee mit dem Auto erreichten wir abends unser Quartier, das Vereinsgelände des VfB Friedrichshafen/ Kanu. Dort erwartete uns eine Überraschung. Statt wie üblich einsam auf einer Kanustation zu übernachten, war es ziemlich voll.

Durch die große anwesende Sportgruppe lernten wir gleich eine neue Sportart kennen, Unterwasserrugby. Kein Witz, diese Sportart gibt’s wirklich inkl. eigener Ligen. Mit ein bisschen Rangieren haben wir trotzdem unseren Platz zum Schlafen bei ihnen gefunden.

Nach diesen ganzen Eindrücken und einem obligatorischen Bad im Bodensee wurde es Zeit für die abendliche Stärkung. Und so ließen wir den Abend gemütlich auf der Terrasse des benachbarten Yachtclubs beim Essen mit Blick auf die Schweizer Alpen ausklingen. 

Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht dank sehr langer Musikbeschallung bis weit nach Mitternacht brachen wir ohne Aufwand direkt vom Bootshaus auf. Auch hier am Bodensee machte sich der niedrige Wasserstand bemerkbar. Der mobile Rollsteg des Vereins stand fast auf dem Trockenen. Bei leicht bewölktem Himmel, Wind und leichten Wellen ging es nordwärts Richtung Immenstaad. Fasziniert beobachteten wir beim Paddeln die Flugformationen von Kormoranen dicht über der Wasseroberfläche.

Auf unserer Tour konnten wir schon ein Mythos zerlegen. Von wegen Zeppeline schweben lautlos über einen hinweg, ihre Propeller sind nicht zu überhören. 

Im Gegensatz zu gestern hieß es am Sonntag, die vielen Segel- und Motorboote in den Augen zu behalten. Wir, Kajakfahrer, haben halt keine Vorfahrt. Nach einer Pause in Immenstaad ging es wieder zurück. Unter den Trommelschlägen eines Straßenfestes erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt. 

Wir danken Arina für die gelungene Organisation und Michael und Eva für das Fahren. Michaels Rangierkünste sind spitze.

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