Der Bootshausumzug geht fleißig voran, die Niederschlagsbestellungen sind wahrscheinlich im Nirwana verschwunden und die Gewässer stöhnen deswegen unter Niedrigwasser. Also Zeit, die Boote mal auf dem Trockenen zu lassen und der Hitze in die Höhe zu entfliehen.
Genau diesen Plan setzte am 04.09.2026 eine bunt gemischte, dreizehnköpfige Gruppe in den Allgäuer Alpen, genauer gesagt in den Tannheimern, um. Die genaue Abgrenzung zwischen Allgäu, Allgäuer Alpen und dem Tannheimer Tal überließen wir lieber mal den Geografen und Geologen.
Den schweißtreibenden Aufstieg erledigte völlig entspannt die Neunerköpflebahn in Tannheim. Von der Bergstation war es nur ein kurzes Stück zu unserer Mittagspause auf dem Neunerköpfle (1.862 m). Mit Blick auf die Tannheimer Berge, Paragleiter und unseren Weg, den Saalfelder Weg, stärkten wir uns. Begleitet von Kuhglockengeläut und den Kuhglockenträgern ging es für uns in Richtung unseres Ziels, der Landsberger Hütte.



Lektion 1, die wir bei der ungewöhnlichen Septemberwärme lernten: Sonnige 18 °C auf 1.800 m sind nicht mit 18 °C bei uns zu Hause im Flachland zu vergleichen, sondern Brutzelwetter in T-Shirt und kurzen Hosen.
Die Sulzspitze ließen wir im Hinblick auf die Uhrzeit und die sommerlichen Temperaturen links liegen. Stattdessen genossen wir die Aussicht auf Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze. Hierbei nahm die Fernglasfraktion die Zugspitze genauer unter die Lupe und erkannte auf dem völlig zugebauten Plateau eine ihrer Bergbahnen und die Wetterstation.
Der Anblick von Schafen, Pferden und der wunderschönen Landschaft gab unserer Motivation noch einmal einen ordentlichen Schub, und der letzte große Anstieg auf dem relativ ebenen Saalfelder Höhenweg zur Schochenspitze wurde von uns in Angriff genommen. Unterhalb dieser trennte sich unsere Gruppe in die Höhenmetermachenfreunde und die Hüttenfreunde.



Die Höhenmetermachenfreunde stiegen die wenigen Höhenmeter zum Gipfel der Schochenspitze (2.069 m) hinauf. Oben angekommen, erwartete sie allerdings kein Gipfelkreuz, sondern ein Schild à la: „Die Bergwacht gönnt dem wetter- und tourismusgeplagten Gipfelkreuz gerade eine Beautykur im Tal.“
Davon ließen sie sich nicht die Laune vermiesen und bewunderten stattdessen das wechselnde Farbenspiel der Sonne auf dem Traualpsee und dem Vilsalpsee sowie das Duell eines Turmfalken mit Krähen.




Für einen Schreckmoment sorgte der Flug eines Rettungshubschraubers mit Kurs auf die Landsberger Hütte. Sofort galt unser erster Gedanke der anderen Gruppe: Hoffentlich war ihnen nichts passiert! Wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet das Funkloch um die Landsberger Hütte die Entwarnung bringen würde? Zeitlich konnte der Einsatz nicht unseren Hüttenfreunden gegolten haben.
Nachdem beim Abstieg von der Schochenspitze noch ein seltenes Edelweiß entdeckt wurde, folgten wir den Spuren der Hüttenfreunde. Unterhalb der Terrasse der Landsberger Hütte entdeckten wir endlich unser erstes Murmeltier, nachdem uns sein Pfeifen den ganzen Tag schon begleitet hatte. Den Abend ließen wir gemütlich beim Essen und Uno in der Endlosspielversion ausklingen.



Am nächsten Tag beschloss die Sonne, mal Pause zu machen, und machte Platz für Wolken mit Tropfengefahr und kräftigen Windböen. Unter diesen Windböen und dem ein oder anderen Tropfen erreichten wir den ersten Gipfel unserer Hausgipfelrunde, die Rote Spitze (2.130 m). Der Blick auf eine Gamsherde entschädigte uns für das wenig einladende Wetter.



Dennoch traten wir lieber den Rückzug in den windgeschützten Teil der Scharte an. Unsere Flucht dorthin wurde mit der ausgiebigen Beobachtung einer Murmeltierfamilie, sehr zur Freude aller, belohnt.
Immer die bedrohlich dunklen Wolken im Blick, wagten wir die Besteigung der Steinkarspitze (2.067 m). Diese Wolken beschlossen, während unserer Mittagspause weiterzuziehen, und wir machten uns auf in Richtung Lachenspitze.
Unterhalb der Lachenspitze trennten wir uns erneut: Die einen gingen in Richtung Gipfel, während die anderen sich schon auf den Weg zur Umrundung der Lachenspitze machten. Egal, für welche Variante man sich entschied, das Murmeltierbeobachtungskonto wurde auf jeden Fall gut gefüllt.
Doch die Wolken beschlossen, sich zu erleichtern, und begrüßten die Gipfelgruppe passend am Gipfel mit den ersten Tropfen. Der Blick auf die drei Seen und das ständig wechselnde, farbenreiche Wolkenspiel entschädigten uns jedoch für diese kurze Unbequemlichkeit.
Vom Gipfel aus beobachteten wir aufmerksam die anderen, die tapfer ihren Weg durch die Mure suchten – und auch fanden. Auch Berge sind in Bewegung.



Unsere Mühe bei der Wegfindung wurde auf dem Rückweg zur Landsberger Hütte allerdings tierisch belohnt. Im Latschengebiet trieben sich Hirschkuhherden umher, die Feuchtigkeit trieb Alpensalamander aus ihren Verstecken und Mini-Frösche hüpften auf den Wegen.



Während die Nicht-Lachenspitzegänger die Hütte noch einigermaßen trocken erreichten, hatte die andere Gruppe in der letzten Viertelstunde zum Teil noch eine unfreiwillige Dusche von oben abbekommen.
Im sicheren Trockenen angekommen, war der letzte Schrei eine gut gewürzte Flädlesuppe. Den Abend ließen die Jüngeren wieder bei Uno in der Endlosversion ausklingen, während die Älteren sich mit kurzweiligen Würfelspielen die Zeit vertrieben. Vor dem Schlafengehen sagten uns die Hirsche an der Hütte noch gute Nacht.
„Goodbye Regen, willkommen strahlend blauer Himmel“ war das Motto an unserem letzten Tag. Wie hätten wir uns besser von unserer Hütte verabschieden können als mit einer Murmeltierfamilie nicht weit von der Hütte entfernt?
Und so gingen wir gut motiviert zur gestrigen Scharte hoch, wo wir von dem panoramaeinnehmenden Hochvogel begrüßt wurden. Oder, wie Bergkenner ihn beschreiben würden: als den medienbekannten Gipfel, der auseinanderbricht.
Mit Blick auf ihn ging es in Richtung unseres Etappenziels, des Kirchdachsattels, weiter. Der Weg dahin bot uns einiges an Abwechslung, Kraxeleinlage inklusive.



Angekommen im Sattel gab sich der Instagram-Hotspot der Allgäuer Alpen zu erkennen – der Schrecksee. Während wir dort oben gemütlich unsere Mittagspause machten, konnten wir die Massen der Tageswanderer am Seeufer beobachten.
Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserem Endziel – dem Hauptkonkurrenten des Schrecksees im Rennen um den Titel des schönsten Allgäuer Bergsees: dem Vilsalpsee.
Zwei von uns verabschiedeten sich, um über den Gipfelgrat zu gehen, während die anderen lieber dem Jubiläumsweg folgten. Welcher Weg nun der schwierigere war, darüber durfte sich jeder selbst eine Meinung bilden.



In der Scharte vor dem wilden Rauhhorn trafen wir wohlbehalten wieder aufeinander und machten uns an den langen Abstieg zum Vilsalpsee hinab. Hierbei rätselten wir über die Funktion einer kleinen, abgelegenen Hütte auf einem Bergkopf – Traumblick auf den Vilsalpsee und Kreuz inklusive. Jagdhütte oder Hirtenhütte waren die Favoriten. Angekommen an der Vilsalpe liefen die Motivierten vor, um die Autos zu holen, während die anderen sich gemütlich ein Eis gönnten. Unter Haubentaucher- und Entengeschnatter ging es am Vilsalpsee entlang. Um das letzte Stück noch kurzweiliger zu gestalten, veranstalteten wir einen Wettbewerb à la „Wie geht das Tier?“



Erschöpft, aber zufrieden erreichten wir alle unser Ziel: das vordere Ufer des Vilsalpsees. Nach drei Tagen in den Bergen freuten wir uns nun aber auch wieder auf unser eigentliches Element – und hoffentlich bald auf genügend Wasser in unseren heimischen Gewässern.
Ein herzliches Dankeschön geht an Arina für die Organisation der Tour und an die Motivierten fürs Holen der Autos, die uns damit das letzte Wegstück erspart haben.




